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Dossen2021-Reisebericht

Ein letzter Urlaubstag ist noch übrig. Wir gehen von der Engelhornhütte rüber zur Dossenhütte. Das Wetter ist trüb aber noch trocken. Der Weg geht erst ein Stück runter und dann am Gletscherbach entlang aufwärts. Wir queren ein paar trockene Bachbetten und treffen ein paar knuffige Schafe. Die sehen aus wie weiche Kissen auf Beinen.

Danach wird es steiler und wir müssen die Moränen hoch. Seitlich hat ein Bach eine Nische im Kalkrigel hinterlassen. Feucht und stellenweise glitschig dürfen wir dort hoch klettern. Ohne die Stahlseile wäre das wirklich ein Abenteuer geworden. Über dem Kalk betreten wir die zunächst flache Granitwelt. Hier steht das Rosenlauibiwak. Das ist nur im Winter geöffnet, wenn die Dossenhütte zu ist. Gleich dahinter wird es wieder steil und viele hundert Höhenmeter geht es in einfacher Kletterei aufwärts. Am Ende haben wir beide den Weg gefunden und kommen glücklich auf der Dossenhütte an.

Die Dossenhütte ist deutlich größer als ich sie mir vorgestellt habe. Sie ist aufgeräumt und sauber und die Würstelsuppe super lecker. Im Vergleich zur familiären Engelhornhütte wirkt sie aber doch irgendwie sehr kühl und sachlich. Deshalb gehe ich noch mal spazieren. Einfach mal vorsichtig schauen, wie der Dossengrat so weiter geht. Zuerst lande ich nur bei den Wassertanks. Dann finde ich sogar den meist gut markierten Weg.

Unter Weg darf man sich keinen Ahrensburger Waldweg vorstellen mit 3 Meter breiter unversiegelter, wasserbebundener Wegdecke aus Schotter der Farbe Gold-Ocker mit Korngröße 0 bis 11 mm. Am Dossen ist der Schotterstreifen eher rund hundert Meter breit, hat Korngrößen bis zu vielen Metern und die Körner sind mehr oder weniger gekonnt so aufeinandergeschichtet, dass sich daraus hübsche, steile Felswände ergeben. Dort, wo man hoch klettern soll ist manchmal ein weißer Streifen und manchmal auch nicht.

Einmal sieht das für mich aus, als ob ein Band nach links auszweigt. Ich quere eine Felsplatte und denke noch, "das ist ja anspruchsvoll hier". Dann sehe aufwärts ein paar offensichtlich gute Tritte und habe keine Zweifel, dass es da hochgeht. Ein paar Meter weiter wird es richtig happig. Die Tritte immer kleiner, glatter und hängen abwärts. Zwischen abwärts geneigten Platten finde ich keine Griffe mehr. Also ganz vorsichtig wieder runter und zurück. Dort ist weit und breit kein Weg. Ich klettere einfach zwischen ein paar Blöcken durch und es geht. Und dort, wo der Weg offensichtlich wird, ist dann auch wieder eine Markierung.

Ein Stück weiter stehe ich vor einem Gratturm und dahinter ist der Gipfel. Ein Stück weiter sehe ich, dass der Gipfel nur ein Gratturm war und der wahre Gipfel dahinter steht. Noch ein Stück weiter wundere ich mich, warum der "Weg" den Gifpel rechtsseitig quert, bis ich merke, dass das nur ein ganz großer Gratturm war. Dahinter kommt ein Firnfeld und noch weiter hinten der nächste Gratturm. Das ist dann aber der Gipfel. Wirklich wirklich.

Unter dem Gipfel sind etliche prähistorische, runde Biwaknischen. Ganz viele rostige Dosen liegen hier herum. Ich wundere mich, warum der Gipfel nicht Dosenhorn heißt. Hätte gepasst. Zu den Dosen und zum Rosenhorn. Rechts das Rosenhorn, links das Dosenhorn. Das wär doch was gewesen. Jedenfalls stehe ich jetzt auf dem Dossen, der laut SAC neuerdings Tossen heißt. Und ich bin neugierig, wann die Schweizer sich endlich darauf einigen können, wie ihre Berge eigentlich heißen.

Schnell mache ich ein Gipfelfoto und das entsteht keine Sekunde zu früh. Im Nordwesten sieht es verdammt dunkel aus, eine Minute später stehe ich im Nebel und das soll sich auch den ganzen Abstieg nicht mehr ändern. Runter gebe ich richtig Gas und freue mich über den Pfefferminztee auf der Hütte und vor allem über den warmen Ofen im Gästeraum.

Der Abreisetag begrüßt uns mit einem einmaligen Morgenrot. Danach zieht es zu und ein paar Tropfen Sprühregen halten die Steine feucht. Ganz langsam und vorsichtig klettern wir ab. Für den Weg runter brauchen wir genau so lang wie hoch. Ein paar Meter vorm Parkplatz fängt es dann richtig an zu regnen. Und während ich noch hoffe, die nassen Klamotten wechseln zu können, fährt Hetti schon eilig los, um dem Postbus zu entkommen. Und das hat sie dann auch erfolgreich geschafft.

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