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WilderKaiser2026-Reisebericht
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Klettern macht Spaß. Vor allem mit Seil zu zweit. Und weil ich mich diesmal leider erst recht spät für ein Datum entschieden habe, bin ich froh, dass es den Alpenverein gibt. Da kann ich nämlich einen Kurs ausschreiben und erst eine Woche vor Abfahrt meldet sich Hernan, dass er mitwill. Wunderbar.
Wir fahren Richtung Kufstein, springen in den Kieferer See und sagen Marie und Philip Hallo. Weil das Stripsenjochhaus ausgebucht ist, übernachten wir in Reit im Winkel und nachdem mein Auto nach einem Umweg dann auch erfolgreich das Kaiserbachtal gefunden hat, geht es nach oben.
Oben gehen wir erst mal ans Gamswandl und ich zeige Hernan die Handgriffe und Knoten. Wir machen eine kleine Testtour. Dann gehen wir rüber zum Wildanger und die Plaisir hoch. Das ist eine sehr schöne Route mit ganz bestimmt genug Bohrhaken. Genau als wir wieder unten sind, kündigt sich der Regen an und den schauen wir uns vom Stripsenjochhaus von innen an.
Auch am nächsten Tag ist es instabil, der Wind drückt die Wolken rein und es regnet immer wieder. Klettern macht da keinen Sinn. Damit wir wenigstens mal die Nase vor die Tür bekommen, gehen wir rüber auf den Feldberg. Von dort haben wir einen sehr schönen Überblick über fast alle Gipfel auf der Ostseite des Kaisers.
Es wird Dienstag und die Wettervorhersage ist stabil und gut. Das ist unser Tag. Wir stehen früh auf und schon kurz nach 5 sind wir unterwegs. Die Sonne geht auf und raucht die Fleischbank hinter uns in oranges Licht. Am Fuß des Predigtstuhl erwartet uns ein breites Meer aus Felsplatten und Kaminen. Hier ist Orientierung gefragt. Der Einstieg ist an einer Stelle, an der die Wand nicht höher ist als zwei Seillängen und wo ein diagonaler Riss rechts abwärts zieht.
Von hier aus geht es Seillänge für Seillänge aufwärts. Die Route ist einfach und schön. Hier können wir viel Führungstechnik variieren. Vorstieg, Nachstieg, Seil verkürzen, laufendes Seil, wieder ausgeben, wieder Vorstieg. Weit oben kommen wir in die Sonne, dann kommt das Oppelband. Ich habe zu viel im Rucksack und der bleibt stecken. Leider habe ich keine Abwurfschlinge also muss ich selbst raus und in die Wand treten. Hernan kommt alles rasend schnell hinterher. Vor zwölf stehen wir schon am Nordgipfel.
Von dort geht es am laufenden Seil rüber zum Einstieg Botzong-Kamin. Aber wir seilen nicht ab, sondern gehen die Kante hoch. Das ist die vorletzte Seillänge der Distel-Herr-Führe. Mit laufendem Seil sind wir in wenigen Metern am Predigtstuhl Hauptgipfel. Auch hier bleiben wir nicht lange, sondern gehen im gleichen Stil weiter und seilen die Südflanke ab.
Von der Scharte geht es eine Rampe nach links hoch und am Expressanker startet die Nordgrat zur Goinger Halt. Auf uns warten zwei schöne 3 er Längen und ein Stück Grat am laufenden Seil. Anschließend wird das Gelände sehr gemischt. Gehgelände und einfacher Kletterei wechseln in schneller Folge aufwärts und abwärts. Kurz nach vier stehen wir auf dem Gipfel. Ich zähle im Kopf nochmal die Seillängen durch. 18 auf den Predigtstuhl Nordgipfel, 3 auf den Hauptgipfel und nominell 10 auf die Goinger Halt inklusive Einstiegsrampe machen in Summe 31. Das stimmt aber nicht ganz, weil wir auf die Halt doch eine Menge laufendes Seil hatten und nur auf 6 kommen. Dann sind das real 27. Immer noch ganz schön viel und mein persönlicher Rekord.
Zum Glück ist Hernan im Abstieg viel schneller als ich, der ich meine Schritte verletzungsbedingt langsam und vorsichtig setzen muss. Deshalb bekomm ich nämlich sogar noch ein Abendessen als ich 20 nach sieben dann auch wieder an der Hütte bin.
Der Mittwoch ist verregnet. Ich mache Pause und Hernan schaut sich alle Berge und Hütten an. Unglaublich, was er für eine Kondition hat.
Donnerstag sind die Bedingungen nebelfetzig, instabil aber nicht abschreckend. Heut ist Hernan dran mir Führen. Bereits im Zustieg holen wir das Seil kurz raus und dann nochmal für die ersten beiden Längen Führerweg. Von dort geht es eine lange Rampe hoch. Irgendwann verlieren wir die zunächst klare Aufstiegsspur und müssen oben ein wenig suchen bis wir im Einstieg des Heroldweg stehen.
Hernan macht seine Sache super und führt die Tour souverän. Sie ist schön, sehr abwechslungsreich und bietet für den einfachen Schwierigkeitsgrat erstaunlich viel Erlebnis. Es dauert doch ein paar Stunden, bis wir auf der dritten Terasse stehen und um zwei sind wir schließlich auf dem Gipfel.
Hier gönne ich mir einen Moment, um mich zu verabschieden.
Der Abstieg ist kompliziert und freundlicherweise hervorragend markiert. Wir klettern den Gipfelblock ab und finden links auf der Platte den Abseilhaken. Dann geht es ein paar Schritte über die Dritte Terasse. Am folgenden Abseilhaken folgen wir nicht den geknickten Rinnen, sondern seilen mit Doppelseil etwas weiter links diagonal über den Fels. Das geht weit besser. Das Seil packen wir nicht ein, denn schon wenige Meter später folgt der nächste Abseilring für Einfachseil und 10 Meter daneben gleich wieder für ein Doppelseil. Jetzt geht es über die zweite Terasse zum nächsten Ring. Hier gibt es einen Pfeil nach links und einen nach rechts. Ich entscheide mich für den talwärts rechten mit Doppelseil. Leider seile ich zu weit nach rechts in die Rinne und muss wieder drei Meter hochklettern. Hier lässt sich das Seil sehr schwer abziehen. Mit Doppelseil geht es weiter abwärts. Es folgen eine Rampe und einige Meter sehr luftige und ausgesetzte seilfreie Kletterei. Dann folgt ein kompliziertes Manöver mit Doppelseil. Hernan lässt mich ab und sichert mich auf der Gegenseite hoch. Dann seilt er ab, macht einen Knoten und ich sichere ihn nach. Es geht ein paar Meter quer an einem Stand vorbei zum nächsten Haken, von dort mit Einfachseil runter, dann nochmal mit Doppelseil und wir haben es geschafft. Die letzten Meter zur Hütte sind einfach.
Leider bricht mein Bergschuh auseinander und so endet diese Tour mit vielen, vielen schönen Erinnerungen.
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