"Du kannst alles immer nur jetzt machen." Jörgs Homepage
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Die Geschichte der Drehtür

Es war einmal eine kleine Drehtür. Die mochte nichts lieber, als sich im Kreis drehen. Pirouetten, Rittberger und Achter. Halbe Drehung, ganze Drehung. Meistens rechts rum. Aber manchmal auch links. Und weil es keinen Spaß macht, sich allein zu drehen, wartete sie, daß jemand kam, um mit ihr zu tanzen. Reigen.

Drehtür

Ein jeder der zu ihr kam, faßte sie bei der Hand und gab ihr einen Schwung. Manche eher zögerlich, andere bestimmt, wieder andere sanft und sachte. Am meisten aber mochte sie es dynamisch. Wohlgemerkt, nicht etwa auf die Art, einen festen Stoß abzubekommen. Nein, geschubst werden mochte sie wirklich nicht. Und erst recht mochte sie nicht das Gefühl haben, weggestoßen zu werden. Nein, "dynamsich" bedeutet doch etwas ganz anderes. Die Dynamik, die sie mochte, war mit Achtsamkeit verbunden. Mit einer Art direkter Bestimmtheit. Zu spüren, daß der, der kommt, genau weiß, das sie sich drehen will und das es für sie gut so sein wird. War es nicht genau das, worauf sie den ganzen Tag wartete? Dem sie sich niemals verschließen würde? Zwischen all denen, die sie anrempelten, schubsten, traten, vor ihr stehen blieben, ihr den Zigarettenrauch vor die Scheiben bliesen? Doch wenn es so war, so wie sie sich es wünschte, dann war es ein Tanz. Ein kurzer Tanz, doch ein Tanz, der sie beschwingte, sie eintauchen ließ in dieses wunderbare Gefühl der Erfüllung, sie eins werden ließ mit dem Universum, wenn sie innerlich leicht errötend dachte "wie schön ist es doch, eine Drehtür zu sein."

Jörg.