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Lanzarote2009-Reisebericht

Eine Feier im Warmen.

Wie schaut es Ende November in Deutschland aus? Trübe, grau und naßbä. Und wie möchte meine Mama ihren siebzigsten Geburtstag feiern? Jedenfalls nicht so. Sondern warm und mit Palmen und Sonne und Meer. Wie ein Kanarenvogel.

Vor vielen Jahren hatte ich ein Buch. Das hieß “Die Erde lebt" und darin waren ganz viele hübsch orange Bilder von kleinen und großen Vulkanen. Das erste Kapitel, das ich aufgeschlagen hatte, war Lanzarote. Deshalb wollte ich genau da hin.

Karg schaut die Insel aus, wenn man knapp unter der Wolkendecke heran schwebt. Karg und voller Kegel. An der Küste weiße Häuser mit grünen Tupfen, dahinter rote, gelbe, braune und schwarze ebenmäßige Vulkankegel. Und dann quietschen die Räder auf der Landebahn und ich bin im Hotel.

Hotels sind irgendwie alle ähnlich. Nette palmenbestrandete, artgerechte Haltung für den rentengenießenden Mitteleuropäer. Super Buffet, guter Wein, nervige Animation und Aquagymnistik mit lautem Wummwumm. Dazwischen die schöne Terrasse mit dem Bier und Abends Tanzmusik mit Show. So lässt es sich leben - bis man arm ist. Leben und feiern. Mit meinen Eltern, Tante und Onkel und Freunden aus der Schweiz. Prost!

Kawumm krachen die Wellen über meinem Kopf zusammen. Wir sind hundert Meter weiter gegangen, bis zum langen Sandstrand. Direkt vorm Hotel zwischen den schwarzen Lavaklumpen kann es in so einer Brandung ganz schön ungemütlich zugehen. Weiter hinten macht es Spaß. Und die Wellen zeichnen lustige Muster in den goldschwarzen Sand.

Irgendwann müssen wir raus aus der Servicewelt und hinein ins richtige Leben. In diesem Fall hinein ins Autochen und los. Über das durchaus sehenswerte Museum in San Bartolome mit dem seltsamen Dreschbrett und dem netten Teufelchen an die Nordwestküste von Soo, wo die altantischen Brecher die Luft vernebeln, und rüber nach Timanfaya.

Überhaupt Timanfaya. Lava, so weit das Auge reicht. Ein Vulkan neben dem anderen. Kegel an Kegel, Krater an Krater. Dazwischen haben sich die verrücktesten Formen gebildet. Wie zerbrochene Platten einer Ufolandebahn liegt die Lava herum, während sie sich ein paar Meter weiter wie Sumoringerbauchfalten über die Steine schiebt. Türme, Krallen und Zähne ragen in die Luft und am Rand steht eine hausgroße Konzertmuschel, vor der man 1720 dem Rummwummwumm des Ausbruchs lauschen konnte.

Natürlich muß ich auf so ein Kegelchen rauf. Die ersten Schritte rutsche ich zur Hälfte zurück. Ab dem Grat kostet es fast keine Kraft mehr, weil mich dort der Wind einfach hoch bläst. Vor lauter Wind kann man die Landschaft gar nicht mehr hören. Aber auch das gehört dazu. Weiter hinten wirken die Hänge schwefelgelb. Aber ich meine, es sind kleine Pflanzen, die versuchen, dort zu vegetieren.

Mit dem Bus schaukeln wir zu Mozarts Requiem durch die Mondlandschaften. Und als der Guide einen Eimer Wasser ins Rohr schüttet, zischt eine gewaltige Fontäne hoch. Besonders beeindruckt hat mich der Grill im Vulkanrestaurant. Einfach ein Loch in den Boden gegraben, einen Rost drauf und darüber schmoren die Hänchenkeulen und Schachlikspieße, während darüber die Erdwärme durch einen Schlot in den offenen Himmel entweicht.

Der El Golfo Vulkan hat eine einzigartige Bucht hinterlassen, deren hohe Konglomeratwände Formen zeigen, die unverfrorene Museumsdirektoren seit den Siebzigern als Kunst bezeichnen würden. Skuril schaut das aus. Ist leider nicht besonders fest. Trotzdem kann man relativ einfach auf die kleine Bastion im Meer klettern.

Mit Kawumm donnern die Wellen in Los Hervideros den Touristen langsam den Boden tief unter den Füßen weg. Abentererliche Lavabrücken überspannen die Brandung und machen Angst und Freude gleichzeitig, wenn man sieht, wie der Weg ein paar Meter weiter ins Meer gebrochen ist.

In La Geria sieht die Landschaft aus wie ein großes, schwarz vertoastetes Knäckebrot. Und in den fünf Meter großen Knäckekuhlen aus schwarzem Lavakies wächst zur schönen Aussicht ein leckerer Wein. Nur nicht für den Fahrer. Und der muss ja schließlich nachher noch vom Hafen in Puerto Carmen aus den Weg heim finden.

In der Mitte, im Osten und im Norden hat Herr Don Cesar Manrique seine Spuren hinterlassen. Und überall, wo er war, kostet es acht Euro. Die Architektur dieser Wohnkunstwerke ist wirklich schön. Geschickt werden natürliche Lavablasen, Höhlen und Gesteinsformen zu einem Wohnwohlfühl komponiert, das mit einem Haus nur noch bedingt etwas zu tun hat. In der Fundacion Cesar Manrique hängen darüber hinaus ein paar erdverschmierte Leinwände an der Wand, die den Touristen als Kunst dargeboten werden. Mal ernsthaft, die Palmen, die durch die Deckenöffnungen ihre Wedel in die atlantische Brise strecken, sind bei weitem schöner.

In Jameros del Agua ist es noch beeindruckender. Hier haben die Vulkanausbrüche große Gewölbe hinterlassen in deren gezeitenabhängigen, stillen Fluten tausende kleine weiße Krebse leben. Die Anlage hat etwas wirklich wohltuendes und das Vulkanmuseum ist informativ. Schade, dass wir so schnell weiter müssen.

Beim Jardin de Cactus hat ein lustiger Zeitgenosse gezeigt, wie man aus Blech und Nägeln einen hübschen Kaktus gestalten kann. Dabei wäre der doch gar nicht nötig gewesen zwischen den zehntausenden, die auf den Feldern Läuse tragen. Die Läuse sind gar nicht ärgerlich, sie sind das eigentliche Produkt, denn sie liefern einen kostbaren Farbstoff, der hübsche Frauen schön macht.

Im beschaulichen Hafen von Arrieta schmeckt uns das Bier, während Kilometer weiter die Brandung in die Felsen knallt und die Gischt- und Nebelsäulen Minuten in der Luft stehen. An der Nordküste gibt es Bilderbuch-Türkisbuchten, steile Serpentinen und den adlerhorstigen Ausblick auf den Nachbarinselvulkan. Durch Enge Straßen und mit windigen Ausblicken geht es über lange Umwege an den Wanderdünen von Famara wieder heim und das war dann auch genug Auto.

Der Rest ist beschaulich und schnell erzählt. Und viele Biere und Weinflaschen später verstreut sich die Familie in diverse Flieger und eines Tages sehen wir uns wieder. Wo auch immer.





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