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Loebejuen2008-Reisebericht

Sommersonnenwende 2008 in Löbejün

„Kommst Du mit?“ Wozu in aller Welt soll gerade ich, ich als postoperativer Verbandsträger, eigentlich zum Klettern fahren? Wozu nur? Geht doch eh noch nicht. Ihr, liebe Leser kennt mich, ihr wißt die Antwort. Doch das ist noch lange nicht alles...

Das Wochenende beginnt postmodern mit geselligem Stop-and-Go, zuerst auf der A1, dann auf der A2. Doch noch bevor das A drei schlägt kommen Stephan, Rike, Phillip und ich an die Ausfahrt Löbejün. Seltsamer Name das. Und als wir von der Autobahn runterhoppeln, sind dort die Straßen tatsächlich noch so, wie ich sie aus den guten alten Zeiten des real existierenden Sozialismus kenne. Wie gemacht für die besten aller volkseigenen Stoßdämpfer.

Auf den Weg durch diesem wunderschönen, Dorf gewordenen Zweckkompromiß aus Tristesse und Idylle schwinden meine Hoffnungen auf jegliche Fußball-Euro-Live-Übertragung dahin. Genau so, wie meine Hoffnung auf real existierende Berge in diesem wattwürdigen Plattland. Schon sind wir aus dem Ort wieder raus, da biegt Stephan einen Sandweg hoch, wir nehmen die Rucksäcke in die Hand und dann...

Dann sehen wir das erste Mal die gigantischen Wände. Roter, porphyrischer Rheolit, hoch und glatt. Schöner als ein 1:25-Modell von Yosemite. Nach vorne geneigte Platten, hohe Pfeiler lange Überhänge zwischen alpin wirkendem, senkrechten Blockgestein. Der legendäre Aktienbruch. Und unten dazwischen wie auf einer Freilichtbühne eine bunte Schar von Zelten und Zeltern. Unsere Zelte kommen dazwischen und fühlen sich wohl in der Gesellschaft. Wir auch. Fühlen uns wie in einem Amphitheater. Nur andersrum. Die Zuschauer sitzen unten und die Protagonisten an den Seitenwänden.

Dann machen wir uns auf Entdeckungstour. Und machen rüber zum Kautzenberg. Mit Stephan und Stephan. Da gibt es im Boden ein paar unverhoffte Löcher. Und die sind einfach nur schön. Fürs erste verrat ich nur, daß man da in wunderbar klarem Wasser schwimmen gehen kann. Mehr dazu am nächsten Tag.

Am Samstagmorgen wird es allmählich voll. Trotz des leisen Tripswetters. Überall, wo vorher noch Wege waren, pflocken sich Zelte an. Leute wuseln und einige Gesichter hab ich schon gesehen. Im Ith, auf Buchdeckeln oder in Chorro.

Stephan und Stephan huschen durch den Hangelmarathon und ein paar andere Routen. Phillip hinterher. Die Linienführung ist einfach nur genial und das am Boden bleiben fällt mir schwer.

Die Leute von der IG Klettern, die die Sonnenwendfeier veranstalten, haben zahlreiche Attraktionen aufgebaut. Eine davon ist ein Art Seilbahn, daß den halben Zeltplatz überspannt. Da kann man sich von oben mit lautem Angstschrei reinstürzen und rauscht zehn Meter in die Tiefe und vielleicht dreißig nach vorne. Bis man umbauen und runterseilen muß.

Eigentlich ganz einfach. Schaffen auch alle. Bis auf Phillip. Der springt kurz nach einem bildungsprotzenden Ballermannidol. Mag sein, daß der ihm die Sicherung falsch rum rein gehängt hat. Phillip lernt das besondere Gefühl kennen, wenn einem ein ungebremstes Seil die Haut von den Fingern reißt, rauscht in die Retundanz und kann anschließend nicht mehr abseilen. Wird von mir runter diskutiert und von Rike verarztet. Suum cuique. Jetzt sind wir schon drei Invalide. O, warum nur dieses Grinsen in all den vielen Gesichtern?

Das Wetter ist inzwischen blau heiß. Perfekt, mir klar zu machen, warum ich mit gekommen bin. Weil ich zwar noch nicht wieder klettern kann, aber schwimmen. Ganz vorsichtig auf dem Rücken. Im Schwimmerbruch rüber zum Sektor Banane. Dort angekommen hüfen alle aus dem Wasser, klettern die ausgesprochen hübsche senkrechte Wand hoch und lassen sich dann aus zehn Meter sechzig reinplumpsen. Entweder mit einem lauten „Arme anziehen“ oder auch nicht. Wer es vergißt hat nachher hübsch rotviolette Unterarme. Wird bestimmt neue Mode, wenn die Freaks eines Tages von den Felsklumpen runtersteigen und ihre Mützen ausziehen.

Und es ist so schön. Klares Wasser mit Sicht bis auf den Grund. Der ist zwischen acht und vierzehn Meter tief und fällt fast an allen Seiten steil ins Wasser. Unten blubbern ein paar Taucher und freuen sich über Ruinen, Gleise und noch vieles mehr, was in dem ehemaligen Bruch versunken ist. Sogar Rike springt ins Wasser und zeigt uns, wie hübsch sie beim Schwimmen ihren Gips hoch halten kann.

Abends schmachtet Rike dem Jümar-Wettbewerb hinterher. Schon doof, so ein Gipsarm. Und alle stürmen gemeinsam die Hüpfburg. Dann kommt Peter Brunnert, das Lästermaul. Liest aus seinen Anekdoten über die Kletterer des unteren Stockwerks. Deren Routen dort enden, wo wir schon vorher aufrecht stehen. Erbse klampft gekonnt und zum schief biegen komische Lieder zu seinen stets gelungenen Cartoons. Mit Krawumm zerreißt ein Feuerwerk die langsam anschleichende Dunkelheit. Unglaublich, was die Mädels und Jungs von der IG aus den paar Euro Eintritt realisiert haben. Schließlich machen die Bands mit super Mucke die Nacht zum Tag. Wie gut, daß ich alle Techniken fürs Selbstverteidigungs-Schnarchen im siebten Grad gekonnt beherrsche.

Sonntag morgen ist es so heiß, daß alle freiwillig in den Schatten ziehen. Bianca erstaunt mich mit einer reifen Freiland-Erstleistung und das Stephan-Duo post für schöne Photos in the „Edge“. Noch mal Schwimmen, Deep-Water-Solo und los. Und es ist soo schön, daß auf der Autobahn alle sofort in Tiefschlaf fallen, weil sie davon träumen müssen, bald wiederzukommen. Außer Stephan. Der fährt. Und der muß nicht träumen, weil er es einfach weiß, daß es so sein wird.

Euer Jörg.

P.S.: Und ich weiß das auch.


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