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Nepal2008-Reisebericht

Nepal


Vorgeschichte

Es war einmal ein Jörg, der wollte ganz allein die Kailash-Runde machen. Doch dann kam der olympische Tibet-Konflikt und alles anders. Aus der Idee wurde ein Viererteam für Bhutan. Doch Visum-notwendige Viererteam überlebte die Bankenkrise nicht. Aus Plan C wurde Vietnam und aus der Überschwemmungskatastrophe in Hanoi eine Last-Minute-Stornierung. Zum Schluß bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe für den nächsten Tag ganz kurzfristig tatsächlich eine organisierte Pauschalreise gebucht. Ja, wirklich. Für die last two Standing: Für Martina und für mich. Und zwar nach Nepal.


Kathmandu

Nepal liegt von uns aus gesehen etwas schräg hinter dem weltbekannten Wüstenemirat Qatar. Jedenfalls flugtechnisch. Einmal Frankfurt, einmal umsteigen und schon kurvt der Airbus 330 durch die steilen Hügel Südnepals auf die kurze Landepiste im Kathmandu-Tal zu. Und dann bin ich drin. In Nepal. Im Ruß, im Smog, zwischen zwanzig wetteifernden Gepäckträgern, im Verkehr, im Gehupe, zwischen fliegend verdrahteten Leuchtreklamen, offen lodernden Flammen am Straßenrand, tausenden dicht gedrängten Männern mit pastellorange-trapezförmigen Hüten und Frauen mit rot leuchtenden Kleidern. Mitten drin.

Im Dwarikas atmen wir durch. Ein wunderschönes Hotel in alt-nepalesischem Stil mit tausend Blüten im Garten. Wohltat. Bei Tag wagen wir uns zu Fuß Richtung Zentrum. Wir kommen nur langsam voran. Das Tempo ist langsam in Kathmandu. Am Straßenrand schlafen Hunde und Menschen. Bürgersteige gibt es nur selten und man muss aufpassen, dass man nicht durch die vereinzelten Löcher fällt. Meist gehen wir auf der Straße. Zwischen Autos, indischen Lastwägen, Dreirad-Töfftöffs, Traktoren, meterhoch beladenen Fahrrad-Rikschas, Pferde- und Wasserbüffelwagen, Trägern, die unsägliche Lasten durch die Gegend wuchten, Polizisten mit Tarnanzug, Atemschutzmaske und Pump-Gun. Und dem Gehupe.

Wann hupt ein Nepali? Er hupt, wenn er vor hat, zu überholen. Oder wenn er darüber nachdenkt, es vorzuhaben. Oder wenn vor ihm jemand auf der Straße ist. Was eigentlich immer der Fall ist. Natürlich vor Kurven. Vorm Abbiegen. Wenn er sich über was aufregt. Oder wenn ihm auf seiner Spur jemand entgegenkommt. Was eigentlich dauernd passiert. Wenn sich denn mal definieren lässt, was da eigentlich eine Spur ist.

Im Zentrum werden die Gassen eng und gedrängt. Alles geht nur langsam. Hat aber erstaunlicherweise nichts Gereiztes. Irgendwie nehmen alle aufeinander Rücksicht und es funktioniert. Die meisten Geschäfte sind Garagen-breit und man bekommt alles, was man braucht, oder was in China oder Indien vom Band läuft. Wir sind froh, als uns der nette Rikscha-Pilot wieder nach Hause ins Hotel gestrampelt hat.

Nachts lassen wir die Fenster lieber zu. Wegen dem Qualm. Dem folgen wir dann am nächsten Morgen. Die zunehmende Zahl der Affen kündigt schon von weitem einen Hindu-Tempel an. Prashputi-Nath. Fein geschnitzte Pagoden, Tempel und zig Chörten säumen ein Flussufer. Chörten sind kleine Tempelchen mit Opferstein. Sie sind dick mit Farbe und geronnenem Blut beschmiert. Man opfert Blüten, Milch und Tiere. Menschen inzwischen nicht mehr. Ein paar Meter weiter lodern qualmend die offenen Feuer. Vierundzwanzig Stunden am Tag werden hier offen Leichen verbrannt und die Asche in den Fluss gekehrt. Während ein paar Meter weiter sich Gläubige im Fluss waschen. Verwahrloste, Jogis, nur mit ihrem endlos langen, mit Asche beschmiertem Haar und einem kleinen Tuch bekleidet posieren für die Touristenbilder. Das gibt ein paar Rupies für den nächsten Joint. Zum Glück nehme ich nicht mehr alles wahr, weil sich in zwischen mein Magen schützend über meine Gehirnwindungen gestülpt hat.

Boddha Nath dagegen ist ganz anders. Das religiöse Zentrum für Buddhisten über Nepals Grenzen hinaus. Riesig erhebt sich die Stupa und ihre Nepal-typischen Augen mit Ringelnase blicken segenspendend über das Häusermeer. Alles sauber, alles weiß und golden. In einem gigantischen Strudel kreisen die rot gewandeten Pilger an den Gebetsmühlen und in der Sonne flatternden Gebetsfahnen vorbei und tief klingt das tausendfache O Mani Padme Hum.

Abends treffen wir den Rest der Gruppe und ab da wird es organisiert. Weil es Binod gibt.

Sherpa-Land

Von Kathmandu aus geht es mit einer Zweimotorigen Twin-Otter nach Lukla, einem der schwierigsten Flüghäfen der Welt. Der schicke Pilot mit den blank gewienerten Schuhen hat nur eine Chance. Entweder er trifft die kurze, steile Landebahn oder er zerschellt an einer Felswand. Dankenswerterweise entscheidet er sich für die erste Alternative und wir betreten das Sherpaland.

Erstaunlich viele Menschen wuseln hier. Alle sind einfach und freundlich. Hunderte von Trägern balancieren schwere Lasten durch die engen Gassen. Getränke, Öfen, Türen, Dächer, lebendes Geflügel, Sprit, Reisig, Wolldecken. Die Straßen sind eng und mehr als steinig. Zwischen ihren Füßen springen Hühner und sehr adrett uniformierte Schulkinder rum. Ich hab mal versucht, die Last eines Trägers anzuheben. Keine Chance. Ich schätz mal vielleicht 40 bis 50 kg Bier. Schwerere Lasten werden auf Yaks verladen. Dazwischen schauen freundliche Menschen aus ihren einfachen Häusern raus, die meist nur einen einzigen Raum haben und für die Härte des dortigen Winters erstaunlich zugig sind.

Von Lukla führt uns unser Weg den Dudh Kosi entlang, den Milchfluß. Peter filmt jeden Baum einzeln, während ich hunderte Bilder schieße. Durch die enge Schlucht von Phakding keuchen wir es hinauf nach Namche Bazar. Schritt für Schritt. Wolfgang vorweg und Uschi hinter mir.

Oben betreten wir die Hauptstadt des Sherpa-Landes. Hier wird alles gehandelt, was die Menschheit braucht oder auch nicht. Und alles wird zu Fuß hier hoch geschleppt. Von den Menschen und den Yaks. Alles, bis auf die gigantische Aussicht, die sich weiter oben eröffnet. Auf die Nuptse-Wand, den Lotse und natürlich den Chomolungma, der von den Engländern in einem chronischen Anfall von Ehrfurchtslosigkeit "Mt. Everest" genannt wurde. Ich bleib lieber bei Chomolungma. Und natürlich blicke ich auf den Ama, Dablam, den zweifelsohne schönsten Berg.

Sobald man ein paar Meter vom Chomolungma-Trek weg kommt, legt sich der Staub der Yaks und die Welt wird friedlich und paradisisch. Z.B. in Khumjung und Khunde, wo seit Hillary Schule und Krankenhaus stehen. Und natürlich auf den Steinen der verschlungenen Wege die Yak-Fladen trocknen, um später als Brennmaterial zu dienen.

Friedlich ist es auf dem Weg nach Thame. Große Wälder, halbwilde Yaks und Gemsen leben hier. Tausende bunter Mani-Steine säumen den Weg. Von ganz klein bis über haushoch. Wer lesen kann, meißelt Geschichten in die Steine. Die anderen O Mani Padme Hum. Wie immer. "Oh Kleinod auf der Lotosblüte".

Von Thame aus geht es mit Ironman-Peter und Martina hoch auf dem Samdur. Und natürlich mit Nga-Ti, unserem perfekten Sherpa. Immer freundlich, immer respektvoll, immer still, immer fast unsichtbar, immer zur Stelle, wenn man ihn brauchen könnte. Immer ein Rucksack mehr als sein eigener. Auf der Karte ist ein einfacher Trek bis auf den Gipfel in 5200 m Höhe gezeichnet. Leider ist bei 4830 Schluß. Wir stehen vor einer Felswand und Nga-Ti packt die Sandwiches aus, die er uns mitgebracht hat. Der Blick auf die Tibetanische Grenze und den Cho Oyu ist atemberaubend.

Weil der Weg hoch nach Kongde durch eine vereiste Nordwand führt, holt und ein Hubschrauber ab und fliegt uns nach Kongde zum besten Aussichtspunkt auf die Chomolungma-Gruppe. Ein paar Stunden später hüllt uns der Nebel ein und alles wird still. Zeit, Bücher zu blättern und den Tag mit Bildung über das Leben der Sherpas zu füllen.

"Excuse me Sir, more Tea?" Der Service ist unbeschreibbar. Der Luxus in den Hotels hoch oben auch. Europäischer Standard. Bis auf die Wasserversorgung, die in der Kälte nur eine Stunde am Tag funktioniert. Und das Problem mit der nicht vorhandenen Heizung bei minus acht Grad Außentemperatur. Der Luxus ist deplaziert, er passt mit meinem Bild vom Sherpaland nicht zusammen. Ich frage mich, ob wir diesen Aufwand, all diese Sachen zu Fuß da hoch zu schleppen, jemals überhaupt würdigen können.

Wir können mit den Sherpas tanzen. Laut singen sie die endlosen Lieder mit. Während sie ihre Füße im Kameltakt und ihre Arme wie einen Elefantenrüssel bewegen. Naja, so ähnlich jedenfalls. Konrad zeigt den Sherpas eine Polonaise und wir haben viel Spaß. Wie immer mit ihm.

Am schönsten ist der Absteig runter von Kongde. Durch die vereisten Rhododendron Wälder und die Felswände. Einfach schön.

Bhaktapur.

Nepal ist eine junge Demokratie. Bürgerkrieg und Monarchie wurden kürzlich erst erfolgreich abgeschafft und das Land lernt jetzt die Vorzüge der Demokratie kennen. Protestkundgebungen und Streiks. Schnell wird eine Ersatzroute zu einem Ersatzhotel gefunden und wir finden den Ausblick von Namo Nath einfach nur hinreißend. Goldene Klosterkuppeln, rote Möchte, und blitzende Sauberkeit unter dem weißen Panaorama der Eisriesen.

Bhaktapur ist viel schöner als Kathmandu. Vor allem gemächlicher. Fußgängerzone, mittelalterliches Stadtbild, Tempel, Pagoden, Tempel, Händler und vernünftige Preise. Auf den Plätzen trocknen die Tontöpfe und der Hopfen, dazwischen schlafen Hunde und Menschen. Rot und golden glänzen frisch polierte Kupfer- und Messingtöpfe, bunt leuchten Farbstoffe, Gewürze und Gemüse. An einem Fahrradlenker schaukeln zwei Bünde lebende Hühner vorbei.

Chitwan

Nach einem wunderbar nepalesisch-freundlichen Fest bei Binod daheim klinken wir uns aus der Gruppe aus. Stundenlang schaukeln wir über löchrige Straßen nach Südwesten. Schlucken den Ruß der indischen Tata-Laster und der Feuer am Straßenrand. Langsam versinkt heckaufwärts ein LKW der Firma "Titanic Transport" in einer Seitengasse. Nach zahlreichen Straßenkontrollen und Wasserbüffeln kommen wir dann an im Elefantenland. Chitwan. Flaches Land am Rande des großen Waldes.

Aus dem Wald tönen seltsame Geräusche. Noch seltsamere aus dem Hotelzimmer. Nachts lacht laut der Zimmergecko. Morgens geht es mit dem Floß durch die Kingfisher, Marabus, Störche, Ibisse, Hornbills und wie sie alle heißen. Der Gondoliere zeigt mit dem Ruderblatt zur Seite. Nur zwei kleine Rundungen schauen aus dem Wasser raus. Ein Krokodil.

In der Elefantenstation gibt es reihenweise Neugeborene. Sind die süß. Ein dreimonatiges Elefantenbaby kommt uns durch ein Loch im Zaun entgegen. Noch etwas unbeholfen versucht der kleine Rüsselbulle, uns auf die Füße zu treten. Er reicht mir kaum bis zum Nabel, wiegt aber schon über zweihundert Kilo. Ist grau, weich und borstig und wo er hin will, da geht er auch hin. Egal, was im Weg steht.

Mittags dann die Dusche. "Maha! Maha! Maha!" ruft der Mahut und hüpft wie Rumpelstilzchen auf dem Beckenknochen der Elefantendame Paman Kali rum. Die steckt paulchenpanthermäßig den Rüssel ins Wasser und prustet einmal den Touristen auf seinem Rücken nass. Einmal Mindy, einmal Martina, einmal mich.

Nachmittags dann der Höhepunkt. Elefantensafari. Aufsteigen ist noch erstaunlich einfach. Aber dann sitzt man in der Ecke eines Gestells, das mit jedem Schritt nach links und rechts schwankt wie ein Butterschiff in der Sturmflut. Ganz gemächlich geht es mit großen Schritten durch den Wald. Dann das erstaunliche. Die Tiere im Wald nehmen gar nicht Reißaus. Der Elefant macht sie nicht scheu. Man kann auf ein paar Meter ran. Sogar an die grauen Nashörner mit Jungen. Auf der Lichtung stehen sie dann der Reihe nach. Ein paar Sekunden nur dauert der Kampf der Nashornbullen, dann ist die Sache klar.

Weiter hinten pennen große Krokodile und überall hüpfen Pfauen durch den Wald. Der Höhepunkt aber ist der dicke rosa Wurm mit grauen Punkten, der alle paar Meter vor uns in die Höhe steigt, wie der Taktstock einer Marschkapelle. Nur im ganz gemächlichen Paman Kali Tempo.


Ende

Auf dem Rückweg sparen wir uns Geschaukel der Taxifahrt und fliegen nach Kathmandu. Und es wird Nacht und es wird Tag und es geht heim. Heim vom Land mit dem Besten Service dieses Planeten.

O Mani Padme Hum.


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