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SanGabrielMountains2016-Reisebericht

Min Boss sagt, ich muss da hin. Da ist nämlich eine Konferenz. Die ist cool. Und in Anaheim. Das klingt nach Bayern, ist aber in Kalifornien. Und zwar zwischen Los Angeles und Santa Ana. Also steige ich in den Flieger, bin vierzehn Stunden unterwegs, brauche noch mal vier Stunden durch die diversen Schlangen und Staus, bin platt und kann kaum schlafen. Kein Wunder. Daheim ist inzwischen Vormittag. Dagegen hilft meiner Erfahrung am besten Licht, frische Luft und Bewegung.

Und weil ich das ja schon vorher weiß, habe ich einen Bewegungstag eingeplant. Planung ist gut. Sie ersetzt Chaos durch Irrtum. Mein Irrtum besteht darin, dass es keine gute Idee ist, draußen rum zu laufen, während das Thermometer Werte über Hundert anzeigt. Nein, keine Celsiusgrade. Hier misst man in Fahrenheit. Heiß ist es trotzdem. Als Physiker habe ich Thermodynamik gelernt. Glaub ich jedenfalls. Und ich hab mir gemerkt, dass es oben kälter ist als unten. Also suche ich die höchsten Gipfel in der Gegend. Das sind die San Gabriel Mountains. Dort gibt es einen Weg, der heißt „Ice House Trail“. Da klingt angenehm kühl. Also fahre ich eine Stunde hin und morgens um acht geht es los.

Der Weg windet sich durch ein langes Tal. Dann zicktzackt er über staubige Hänge nach oben. Und einer nach dem anderen macht Platz, um mich vorbei rauschen zu lassen. Irgendwie sind Amerikaner meist untrainiert. Deshalb steht an dem Trail auch „diffcult“ dran. Das ist englisch und heißt schwierig. Ein einfacher Berchtesgadener Bergweg ist definitiv schwerer. Aber lang ist es. Und heiß. Nach zwei Stunden komme ich zu einem Sattel. Überall sitzen Leute und vernichten den Inhalt ihrer Wasserflaschen. Hier verzweigen sich die Wege und die Wandererhorde zerstreut sich. Ein paar Meter weiter finde ich einen Fels. Leider habe ich gerade eine Reizung in der Schulter. Deshalb bin ich dort auch bestimmt nicht seilfrei hoch geklettert.

Ich gehe erst mal auf den Ontario Peak. Entgegen seinem Namen steht er immer noch in Kalifornien. Ontario ist ganz wo anders. Der Gipfel auch. Du schaust hoch und denkst „gleich bin ich da“ und wenn Du ankommst, siehst Du nur, dass der nächste Gratgipfel höher ist. Und dort geht es genau so weiter.

Raschelwusch hoppeln die Streifenhörnchen über die Steine. Bleiben stehen, strecken den Schwanz in die Höhe, schauen Dich verwundert an und wusch sind sie unter den Bodendeckern verschwunden. Die Chipmunks sind noch schneller. Und dazwischen sonnen sich hunderte Lizards. Das sind Eidechsen. Klar, die mögen die Hitze. Und der Staub stört sie vermutlich nicht weiter. Der Gipfel vom Ontario ist richtig schön felsig. Und die Sicht großartig. Rundherum stehen viele andere schöne Sandhaufen. Aus dem Dunst schauen einzelne Gipfel heraus. Und tief unten verlaufen die Straßen zwischen den Siedlungsplanquadraten.

Der Bighorn Peak ist den Aufstieg nicht wirklich wert. Auf dem Sandhaufen stehen Bäume und die Sicht ist nicht ganz so atemberaubend. Dafür schaue ich die ganze Zeit rüber auf die steile Flanke des Telegraph Peak. Der reizt mich. Ein Blick auf die Uhr, ich rechne durch und das sollte noch gehen. Ist aber hart. Also bleibe ich kaum 10 Minuten oben, steige zügig ab und bin kaum eine halbe Stunde später wieder unten im Ice House Saddle. Und ein paar junge Wanderer blicken mir verständnislos hinterher, wieso ein Mensch so schnell so einen Berg runter rennt ohne dass ein Bär hinter ihm her ist.

Im Sattel sagen mir ein paar Amerikaner, der Telegraph ist steil und schwierig und hart. Ist er nicht. Der Weg ist einfach und zieht Kehre für Kehre den sandigen Hang hoch. Heiß ist es. Besonders auf den Südhängen. Richtig heiß. Die Büsche zerkratzen mir die Schienbeine und der trockene Wind tut gut.

Am Hang erwischt mich dann irgendwann der Totpunkt. Ich bin nur noch müde. Nichts geht mehr. Jetlag und die Muskulatur fängt an, zu krampfen. Klar. Ich hab einfach viel zu wenig getrunken. Drei Liter Wasser reichen nicht für so einen Tag. Magnesium hab ich keins dabei. Umkehren? Zehn Minuten vorm Ziel? Ich doch nicht. Also einfach mal ganz langsam gehen. Lass es zwanzig Minuten dauern.

Rückzu verlasse ich den Trail und gehe auf den Vorgipfel. Und dann geht es ganz entspannt runter. Der Gegenanstieg zur Schulter des Timber Peak ist noch mal richtig hart. Der Gipfel ist zum Greifen nahe, aber der Sonnenuntergang auch. Daher spare ich mir den. Das Wasser ist kurz vor Ende und der trockene heiße Wind gart mich wie ein Stück getrocknetes Beefsteak.

Hilft nichts, es gibt immer nur mehr einen kleinen Schluck. Kehre für Kehre geht es abwärts. Weit ist der Rückweg zum Parkplatz. Zum Glück sinkt die Sonne schon tiefer und die enge Schlucht wird langsam schattig. Als ich am Auto bin, ist es zwanzig nach sechs. Verzweifelt suche ich nach einem Laden, wo ich einfach mal eine Flasche Wasser kaufen kann. Gibt es nicht. Schade. Dafür noch ein Foto vom Schild, das vor kreuzenden Bären warnt.

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