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TotesGebirge2013-Reisebericht

Hoch hinaus.

Bing – Bäng – Boing. So geht es in Ebensee. Der Kirchturm macht die ganze Nacht durch. Jede Viertelstunde ein mal. Wie schlafen eigentlich Katholiken?

Bei Strahlesonnenschein marschieren wir los und begrüßen das erste Gebüsch mit Freude. Entlang der kristallkaren Bergwasser führt die Wegmarkierung uns hinan zur Mittereckeralm und etwas keuchender zum Kristallweizen aufs Hochkogelhaus. Ein Fünfminutenabstecher beschert uns mit dem Hochkogel den einizgen Gipfel der Tour, aber das wissen wir ja noch nicht.

Dort oben hält Felix den ersten Vortrag über Knoten und ich über einfache Bergsteigertechniken. Das ist nämlich so, dass bei uns jeder einen Vortrag halten muss. Dann ist es ein Seminar und abends immer interessant.

Der Wirt verspricht gutes Wetter und es hält etwa zwanzig Minuten. Dann ziehen wir uns die Regenklamotten über und überqueren die ersten Schneefelder. Nach einem Abstecher zur 120 km langen Schönberghöhle stapfen wir bis zu neun Stunden bei teils unwirschem Schneeregen mit Sturmböen durch ein durchaus nebelfrei sehenswertes Steinlabyrinth aus wasserrillendurchfrästem Lamellenkalk mit tiefgründigen Spalten, Löchern und vielen Firnfeldern. Es geht über Steinplatten, einen windgepeitschten Sattel, am See entlang und in schon deutlich unterkühltem Zustand durch einen Zauberwald zum Appelhaus.

Chris, der Appelwirt, liebt die stillen Regentage. Wir seinen Ofen. Und natürlich das Klavier und seinen Kaiserschmarren. Zwischen ungezählten Tichurunden gibt es interessante Vorträge über kritisches Denken, Containerhochstapelei und Investmentstrategien. Chris ist begeistert und meint, vorbereitete Vorträge hätte er auf seiner Hütte noch nicht erlebt.

Im abklingenden Regen verlassen wir die Hütte und nach einer Viertelstunde sind wir uns auch einig, in welche Richtung. Es geht über weite, zunehmend verschneite Pässe zur Pühringerhütte mit ihrem malerischen Badesee. Bei drei Grad Lufttemperatur fühlt sich das Wasser erstaunlich warm an. Finde ich für etwa zehn Sekunden. Gut tut das Bad trotzdem. Oder gerade deswegen.

Einträchtig stehen die Schuhe über dem Ofen, als plötzlich Britta auf dem Boden sitzt. Auch Stühle trennen sich manchmal. Und die Einzelteile haben nicht die beste Standfähigkeit. Yvonne spricht über das Glücklichsein Britta über die Geschichten zum Mount Everest. Und wir bestätigen die Korrelation zwischen Schokolade und Glück.

Bei strahlendem Sonnenschein ziehen wir dem besten Tag entgegen. Erst spuren wir nur einzelne, harte Firnfelder, dann wachsen sie zusammen und Schritt für Schritt darf ich die Stufen in den Firn hämmern oder das Eis von den Felstritten pickeln. Durch ein Winterwunderland aus eiszapfengeschmückten Latschen gehen wir dem hüfttief schneeversunkenen Rot(*) Sattel entgegen. Durch die unberührte Wintereinsamkeit suchen wir unseren Weg. Ohne Wegmarken ist alles im weißen Bereich. Ein Wintertraum im Sommerurlaub. Anstrengende Schritte durch tiefen Pulverschnee, an Steilhängen entlang und über endlose Steinplatten.

Dann passiert mir ein Orientierungsfehler. Ich verpasse den Fleischbanksattel um etwa 200m. Irgendwo auf der Südflanke des Priel merke ich den Fehler und quere durch den steilen Schnee rüber. Eigentlich recht problemlos, meine ich. Nicht alle schließen sich dieser Meinung an.

Dafür ist der Abstieg viel unproblematischer als gedacht. Fast alle schwierigen Steinplatten sind unter Schnee verschüttet. Nur an der Steilstelle müssen wir ein Seil spannen, weil das aus Draht unterm Firn verschwunden ist. Und sofort wird unser Seil ausgetestet, der frisch erlernte Prusikknoten angewendet und bei einem kleinen Sturz für gut befunden.
Wir testen verschiedene Abstiegstechniken. Die auf dem Hintern funktioniert nur dann wirklich schmerzfrei, wenn da keine Steine liegen. Der Gamsbock Gunter macht uns vor, wie das am besten geht. Auf der Welser Hütte gibt es Balatschinken und Rosis Vortrag über das Kunstsammeln. Und wieder einmal genießen wir es, die Hütte exklusiv für uns zu haben.

Freitag früh ist Nebel und mir das Risiko viel zu hoch, im ungespurten Steilgelände mit vergrabenen Wegmarken und verschütteten Drahtseilen die Orientierung zu verlieren, bis um zwölf der große Regen kommt. Also spazieren wir runter zum Almtalhaus, belegen die Liegestühle in der Wellnessoase und lassen uns das gut gehen. Nach einer kleinen Ring Wanderung mit Rotpunktbegehung des Waldbodens kommen wir zum Ödsee mit seinen Millionen von Kaulquappen, Blutegeln und abgesoffenen Bänken. Und mit einem abschließenden Vortrag von Britta zum Begriff „Hoch“ klingt das Vortragsprogramm harmonisch aus.

Die letzten paar Meter enden in der Habernau bei Weichseln und dem Eis „springender Hirsch“. Und weil ein freundlicher Busfahrer uns in Gmunden extra noch zum Bahnhof fährt, haben wir alle eine hurtige Heimreise.
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