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ZuccoDellAngelone2011-Reisebericht

Sportklettern ohne Mehrseillängen ist wie Bergsteigen auf dem Stepper. Man kann sich herrlich verausgaben und kommt irgendwie nicht so recht vorwärts. Wir wollen vorwärts. Hoch. Panorama. Wir wollen Italien.
 
Friedlich geht es zu in dem kleinen Örtchen Barzio. Die Skifahrer sind verflogen, das Leben geht seinen ruhigen Gang und die Einheimischen unterhalten sich quer über die Straße von Fenster zu Fenster. Wir gehen auch unseren ruhigen Gang und zwar hoch zu den Felsen. Wir, das sind Jan, Stefan, Jo und ich.
 
Erst mal anfassen. Ist ja seltsam. Die Felsen sind hier oft nur schräg. Plattenwelt. Es gibt fast nichts zum Festhalten, dafür hier und da klitzekleine Mulden oder Millimeterwarzen, wo man stehen kann. Oder auch nicht. Je nachdem. Manchmal mittendrin ein Briefkasten. Und natürlich Bohrhaken. Ganz, ganz viele.
 
Ins Seil fassen, klick, nochmal ins Seil fassen, klick, fertig ist der Mastwurf. Zwei Tage verbringen wir in Bodennähe, um alles zu erklären. Und zu üben, üben, üben. Einmal fängt es an zu regnen und die Salamander kommen raus. Unsere nette Wirtin macht große Augen, als wir mit dem Doppelseil etagenweise über die Treppenstufen abseilen. So lange, bis jeder Handgriff und jeder prüfende Blick sitzt.
 
Abends in die Locanda. Das ist unser unbestrittenes Stammrestaurant. Gemütlich, wohlschmeckend, nett. Intensiv wird im Wörterbuch geblättert. Hier wird italienisch gebraucht oder Mut zum leckeren Unbekannten. Oder es gibt Pizza. Und die ist so weitläufig, dass man zum Ablichten ein Weitwinkelobjektiv braucht. Mmmmjammm.
 
Schließlich sind unsere beiden Lernhungrigen weit genug für ihre ersten beiden Nachstiege. Vier Seillängen locker, leicht, entspannt, drei knackig plattig. Und ab dem nächsten Tag steigen alle vor. Mit rapide wachsender Moral und taktischem Verständnis. Im gesamten verbringen wir etwa 30 Seillängen in der Wand. Fast alles ist dabei. Verschneidungen, ein Kamin, Risse, Platten, Blöcke, Platten, Bäume und Platten. Natürlich.
 
Und danach immer an der Seilbahn tre Latte Macchiate e una Latte calda bianco. Lecker Italien.
 
Stefan ist unglaublich schnell. Mit ihm zische ich den Condorpass hoch. Schon mittags um eins sitzen wir zusammen auf dem windgeschützten vorletzten Stand und genießen den Bergfrieden mit Oliven und dem leckeren Valtellina Bergkäse. Bis Jan und Jo zu uns kommen. Und das Grinsen wird immer breiter.
 
A propos Quarto Sperone. Von dem sind oberhalb des Anabasi-Querganges ein paar recht nennenswerte Blöcke runter gebrochen. Ok, man könnte auch sagen, fast eine halbe Wand. Und die Rinne der Verwüstung reicht mit Felsbrocken und zerschmetterten Bäumen bis runter ins Tal. Ein halbes Haus und der Weg hoch zum Quarto Sperone mussten auch dran glauben. Zum Glück kann man da auch über den Kettenweg am Terzo Speorone hin kommen. Echt schauerlich beeindruckend.
 
Am vorletzen Tag schließen wir mit vier Grappe – das ist der Plural von Grappa – den Kurs und genießen die leuchtenden Augen unser beiden frischgebackenen Mehrseillängenkletterer.
 
Einen Tag bleiben wir danach noch, damit sich alle noch mal auf eigene Faust austoben können. Und das tun wir dann auch. Stefan und ich erst knackig in der Coma Etilico mit der Zigo-Zago Variante, dann sonnig, gemütlich und mit dem Weitblick in meinem gemütlichen Lieblingsstand in der Anabasi. Das ist der vor dem Quergang, der durch den Felssturz leider weitgehend zerstört wurde. Es ist irre, wie unglaublich unmöglich die Zigo-Zago aussieht, wenn man von der Anabasi aus rüber schaut. Einfach steil und komplett glatt.
 
Und Jan und Jo leisten ihr Meisterstück. Wow. Sie reihen die Ortofresco, die Kettenquerung zum Quarto, die Gli Schiavi Della Pietra und die oberen Seillängen der Manomorta Tramviaria hintereinander und erreichen schließlich über das Finale des Condorpaß den Gipfel des Quarto Sperone. Ich bin begeistert und freue mich riesig mit den beiden, als ich sie aus unserem gemütlichen Stand heraus die Diagonalquerung in der vorletzten Länge klettern sehe. Echt beeindruckend. Ich bin neugierig, wie viel Tage wohl Jan noch etwas von seinem Grinsemuskelkater haben wird.
 
Am letzten Tag besteht der Reifen die Nagelprobe nicht, dafür rollen wir auf dem Ersatzrad durch die Sonne Norditaliens mit vielen imposanten Blicken. Der Medale und der Antimedale sehen über der Seekulisse von Lecco besonders nett aus. Und die Altstadt - oder besser übersetzt "Hochstadt" – von Bergamo ist auch eines Besuches wert. Alle lachen herzlich, als wir die alten Mauern bezüglich ihrer Schwierigkeitsgrade abschätzen.
 
Und alle sind sich sicher, dass sie wieder kommen wollen. So so.
 
Jörg Kunze.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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